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Gut beschrieben ... nicht nur für Laien und Hobbysportler

Alex Römer und Günter Durner haben ein Buch über behelfsmäßige Bergrettung und Erste Hilfe im Gebirge geschrieben, das sehr anschaulich und für die meisten empfehlenswert ist, die ihre Zeit oft im Gebirge verbringen ...

Dieses Buch zweier Bergführer und Bergwacht-Männer aus Deutschland entspricht naturgemäß NICHT den Richtlinien des Österreichischen Bergrettungsdienstes für Ausbildung und Medizin. Aus der Sicht der Bergrettung ist es dennoch sehr empfehlenswert für Berg-Profis, Amateure und Freizeitsportler gleichermaßen. Es gibt kaum deutschsprachige Werke, die mit derartiger Prägnanz, guten Fotos und knappen Texten auf wesentliche Probleme und Strategien der Ersten Hilfe beim Wandern und im Hochgebirge eingeht.

Goethe`s alte Forderung nach Praxis
„Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun“, zitieren die Autoren gleich zu Beginn Johann Wolfgang von Goethe.

An diesem Motto orientiert sich das Buch, es ist sehr praxisbezogen und übersichtlich, kleistert uns nicht den Kopf mit endlosen Schachtelsätzen und Fachbegriff-Schlachten zu, wie sie in vielen Medizin- und Ersthelfer-Wälzern zu finden sind. Der Schreibstil ist hier journalistisch-professionell und klar, dennoch ist das medizinische und bergungstechnische Fachwissen der Autoren auf fast allen Seiten präsent und popluärwissenschaftlich präsentiert. Das Spektrum im ersten Teil des Buches reicht von Ausrüstungstipps zur Ersten Hilfe, den gängigen Methoden der Alarmierung , Absetzung von Notsignalen bis hin zur Einweisung von Notarzthubschraubern im schwierigen Gelände.

Medizinischer Teil sehr praxisnah

Bei der Ersten Hilfe gibt es ausführlich beschriebene Strategie-Teile für akute Lebensbedrohung, Verletzungen der knöchernen Körperteile, andere Verletzungen und Beschwerden. Viel Augenmerk wird auf das Anlegen guter Verbände gelegt, besonders mit Dreieckstüchern. Kälte- und Sonnenschäden finden dazu noch besondere Berücksichtigung. Auch das Kapitel über spezielle Erste Hilfe bei Verschütteten aus Lawinen kann sich sehen lassen.

Technische Tipps für die Wildnis
Es folgt ein ausführlicher technischer Teil über behelfsmäßige Bergrettungstechnik; ausgehend von guter Knotenkunde, Fixierungen, Seilklemmen bis hin zu Seilbremsen. Ein ausführliches Kapitel beschäftigt sich mit Rettungsmethoden im Klettergelände. Wer hätte als Bergrettungsmann nach längerer Praxis-Pause nicht schon damit gekämpft, einen perfekten Flaschenzug aufzubauen? In dem Buch kann man sich vielerlei Auffrischung besorgen; gut bebildert; wie schon erwähnt, nicht immer in direkter Abstimmung mit den ÖBRD-Richtlinien. Ein Vergleich der Methoden lohnt sich dennoch didaktisch und aus der Sicht des aktiven Lernens und Weiterbildens.

Spaltenbergung als immer neue Herausforderung
Es gibt außerhalb von Bergrettungskreisen kaum Fachbücher, in denen die Rettung aus Gletscherspalten so anschaulich beschrieben ist wie in diesem. Dazu kommt ein Kapitel mit sehr hilfreichen Anleitungen, eine(n) Verletzte(n) bestmöglich  - ohne Spezialtechnik –  zu lagern und zu transportieren, bis professionelle Hilfe erreicht werden kann bzw. eintrifft oder möglich wird.

Ausleihen oder kaufen und lesen!
Dieses Buch ist Mitgliedern der Bergrettung ebenso zu empfehlen wie Berg- und Freizeitsportlern aus anderen Bereichen. Selbst Leute, die ihren Sport fern der Berge betreiben, finden so manchen Tipp – zum Beispiel auch für Unfälle beim Seekajak-Fahren in Kanada. In Fach- oder Urlaubsbibliotheken sollte das Buch nicht fehlen. Ein Exemplar pro Ortsstelle wäre nicht schlecht.

Nochmals der Hinweis für Einsatzkräfte: Das Buch entspricht NICHT den Richtlinien des ÖBRD für Ausbildung und Medizin. Es liefert dennoch viele Tipps und Vergleichsmöglichkeiten - methodisch, didaktisch, strategisch für kritischen Diskurs bei der individuellen Vorbereitung auf Ernstfälle. (GL)  

Bibliografie
Durner, Günter/Römer, Alexander: Erste Hilfe - Bergrettung. AM Berg-Verlag, Garmisch-Partenkirchen 2002. ISBN 3-9807-101-2-2